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Geschichte von Brasilien

Die wechselvolle Geschichte Brasilien's

Das vorkoloniale Brasilien

Die ältesten Spuren menschlichen Lebens wurden in Höhlen im Bundesstaat Piauí gefunden. Die Paläo-Indianer erreichten die Südspitze Amerikas wahrscheinlich um 10.000 v. Chr. Skelettfunde belegen, dass die Küstengebiete des heutigen Brasilien um  8.000 v. Chr. bewohnt waren.

Traditionell wird vertreten, dass die ökologischen Bedingungen im Amazonasbecken das Aufkommen von bevölkerungsstarken Hochkulturen wie im Andenraum nicht zuließen und man deshalb von einer dünnen Bevölkerung aus nomadischen oder halbnomadischen Gruppen von Jägern und Fischern ausgehen muss, die in geringem Umfang auch Ackerbau betrieben.  

Die Zeit der Entdeckungen

Nach der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus (1492) wurde die neue Welt unter Spanien und Portugal im Vertrag von Tordesillas (1494) aufgeteilt. Das damals noch unbekannte Brasilien fiel in die portugiesische Hälfte.

Offiziell wurde Brasilien am 22. April 1500 durch den portugiesischen Seefahrer Pedro Álvares Cabral entdeckt.

Cabral landete in der Nähe des heutigen Porto Seguro an und nimmt das neu gefundene Land für den portugiesischen König Emanuel I. in Besitz. Die bei der Landung angetroffenen Tupí-Indianer leisteten den Europäern keinen Widerstand. Portugal hält die Entdeckung zunächst geheim, um im Wettlauf um neue Kolonien einen Vorteil zu behalten. Spätestens aber seit 1507 wird der neu entdeckte Kontinent in Europa bekannt, als der deutsche Kartograph Martin Waldseemüller eine Karte Südamerikas veröffentlichte, auf der auch Porto Seguro eingezeichnet ist.

Nachdem reiche Vorkommen von Brasilholz (Pau Brasil) ausgemacht wurden, bekam das neue Land den Namen Brasilien. Brasilholz eignet sich zur Farbgewinnung und zur Herstellung edler Möbel. Damit wurde es zum ersten Exportprodukt der Kolonie und bildete die Grundlage für eine erste wirtschaftliche Nutzung des Landes. Aufgrund der massiven Abholzung ist Brasilholz heute vom Aussterben bedroht und steht unter Naturschutz.

Andere portugiesische Entdecker und Abenteurer folgten Cabral, vor allem auf der Suche nach Wertvollem um es nach Europa zu bringen, aber auch um das Land zu besiedeln.

Anders als bei der Kolonialphilosophie der Spanier waren die Portugiesen nicht in erster Linie am erobern, kontrollieren und bebauen des Landes interessiert. Die meisten waren Seefahrer, die sich eher für den Handel und Agrikultur, denn territorialer Expansion interessierten. So blieb das Landesinnere zunächst unerforscht.  

Besiedlung 

Die brasilianische Küste wurde in 15 Zonen, Capitanías Hereditarias, eingeteilt und an Adlige und Personen aus dem Mittelstand vergeben. Nicht alle der Siedler, die von Portugal nach Brasilien kamen, waren Freiwillige: Das portugiesische Gesetzbuch kannte zu jener Zeit 200 Vergehen, die mit Verbannung geahndet wurden.

Zur wirtschaftlichen Entwicklung setzte man vor allem auf den Anbau von Zuckerrohr, da Zucker zu jener Zeit ein teures Gut war. Um Arbeitskräfte für die Plantagen zu bekommen, wurden Indianer im näheren Hinterland gefangen. Da viele der Indianer auf den Plantagen Selbstmord begingen oder an europäischen Krankheiten starben, wurden 1538 die ersten afrikanischen Sklaven importiert. Um 1600 war Brasilien der größte Zuckerproduzent der Welt. Wenige Jahre später war der Dreieckshandel in vollem Schwung: Manufakturprodukte wurden in Afrika gegen Sklaven verkauft, die Sklaven wurden in Süd- und Nordamerika gegen Edelmetalle, Zucker und Gewürze eingetauscht und diese wurden nach Europa gebracht. Die portugiesischen Siedler vermischten sich durch Mischehen sehr schnell mit den Ureinwohnern und den Afrikanern. Auch unter den Indianern und Afrikanern gab es viele Verbindungen. Das Resultat dieser Verbindungen ist eine einzigartige, multikulturelle Bevölkerung. Eine Kombination von Europäern, Afrikanern, Indianern und Asiaten welche die heutige Kultur des Landes so einzigartig machen.  

Kolonialisierung und Erschliessung

1549 wird São Salvador da Bahía de Todos os Santos (das heutige Salvador da Bahia) zur Hauptstadt über alle Capitanias der Kolonie Brasilien erklärt und ein Generalgouverneur (der sich zuweilen Vizekönig nennen durfte) eingesetzt. 

Das Interesse am Inneren des Landes wurde um 1695 durch Goldfunde im Süden geweckt. Das Hinterland wurde ab dem Beginn des 17. Jahrhunderts von Bandeirantes-Expeditionen erkundet, welche Sklaven und Bodenschätze (vor allem Gold) suchten. Dies wurde die Grundlage für die Entwicklung reicher Barockstädte wie Ouro Preto.

Obwohl die Portugiesen versuchten, mit Festungen an der Küste das Land abzuschotten, eroberte im Jahre 1624 eine Flotte der Niederländischen Westindien Kompanie mit 26 Schiffen die Stadt Bahia, die sie im Folgejahr jedoch wieder an die Portugiesen verloren. Mit dieser Aktion begann der bis 1661 andauernde Niederländisch-Portugiesische Krieg. 1629 setzten sich die Niederländer im heutigen Recife (Pernambuco) fest. Die Portugiesen errangen im Februar 1649 einen bedeutenden Sieg in der zweiten Schlacht von Guararapes. 1654 gaben die Niederlande auf und die Kontrolle über Gesamtbrasilien an die Portugiesen zurück.

Während des 17. Jahrhunderts gründeten entflohene Sklaven im Nordosten Brasiliens Siedlungen, die vorbildlich verwaltet und von einem Heer verteidigt wurden. Erst 1699 wird nach zahlreichen Niederlagen der Kolonialtruppen, der letzte dieser Quilombos zerstört. Im 17. Jahrhundert verlagert sich der wirtschaftliche Schwerpunkt in den Süden Brasiliens. Dem wird 1763 dadurch Rechnung getragen, dass die Hauptstadt von Salvador nach Rio de Janeiro wandert.

Mit Ende des 18. Jahrhunderts mehren sich Aufstände gegen die portugiesische Herrschaft. Der wichtigste Aufstand ist die „Inconfidência Mineira“ in Minas Gerais, deren Anführer Tiradentes 1792 hingerichtet wird.

Ab 1805 wird in Brasilien Kaffee angebaut, nachdem die ersten Kaffeebohnen durch Francisco de Mello Palheta 1727 ins Land geschmuggelt worden waren. Erlangung der Unabhängigkeit.

Der Aufbruch Brasiliens in die Unabhängigkeit beginnt mit der Übersiedlung des gesamten portugiesischen Hofes von Lissabon nach Rio de Janeiro. 1807 flieht der portugiesische König Dom João vor den Truppen Napoleons Mit der österreichischen Prinzessin Leopoldina, die Joãos Sohn Pedro heiratete, kommen Gelehrte und Künstler ins Land, die beträchtlich zum Aufschwung des geistigen Lebens beitragen.

Auf dem Wiener Kongress (1815) wird Brasilien im Rahmen eines „Vereinigten Königreichs von Portugal, Brasilien und Algarve” dem Mutterland formal gleichgestellt.

In dieser Zeit erlangen die anderen Staaten Südamerikas unter der Führung von Simón Bolívar ihre Unabhängigkeit. Mit dem Ruf von Ipiranga: „Independência ou morte“ (Unabhängigkeit oder Tod) setzt sich der Prinz Dom Pedro I am 7. September 1822 an die Spitze der Unabhängigkeitsbewegung. Am 12. Oktober wird Brasilien zum Kaiserreich erklärt. Noch stehen portugiesische Truppen im Lande, eigene brasilianische Streitkräfte sind erst im Aufbau. Dennoch gelingt es den Brasilianern, die Portugiesen bis Ende 1823 Schritt für Schritt aus dem Lande zu drängen.  

Kaiserreich

Pedro I. enttäuscht sehr bald die hochgesteckten Erwartungen, die die Brasilianer in ihn gesetzt hatten. Die Unabhängigkeit beginnt zwar glanzvoll mit der ersten Kaiserkrönung auf südamerikanischem Boden, Brasilien bekommt eine liberale Verfassung und wird eine konstitutionelle Monarchie. Der Kaiser ist schließlich isoliert im eigenen Land und dankt am 7. April 1831 zugunsten seines noch minderjährigen Sohnes ab. Als Pedro IV wird er König von Portugal.1840 wird Pedro II. vorzeitig für mündig erklärt und zum Kaiser von Brasilien gekrönt.

In den 1860er Jahren wird Brasilien zur führenden Exportnation von Kautschuk. Auch der Export von Rindfleisch, Edelhölzern, Kaffee und Zucker floriert. Es kommt zu einer zögerlichen Industrialisierung vor allem durch die Einwanderer aus Europa; der Nordosten, vom Süden wirtschaftlich überrundet, verarmt langsam.
Die innenpolitisch wichtigste Herausforderung erwächst aus einer ausgedehnten Bewegung für die Aufhebung der Sklaverei. 1888 unterzeichnet die Regentin Prinzessin Isabel schließlich die Lei Áurea, das Goldene Gesetz, welches die Sklaverei abschafft. Brasilien ist damit das letzte Land der westlichen Hemisphäre, in dem die Sklaverei verboten wird.  

Republik 

Am 15. November 1889 wird Kaiser Dom Pedro II. durch das vom Krieg gegen Paraguay erstarkte Militär gestürzt und muss mit seiner Familie das Land verlassen. Manuel Deodoro da Fonseca ruft die Republik der Vereinigten Staaten von Brasilien (República dos Estados Unidos do Brasil) aus.

Mehrere Faktoren tragen zum Sturz der Monarchie bei: die wachsende republikanische Bewegung, die ein brasilianisches Kaiserreich zunehmend als anachronistisch und unamerikanisch empfindet; der Konflikt mit Teilen des Klerus und schließlich die Sklavenbefreiung, die die Grossgrundbesitzer der Krone entfremdet.

Die ersten Jahre der jungen Republik waren von politischer Stabilität geprägt. Der Wohlstand durch die grosse Kaffee-Nachfrage gesichert. Unter Präsiden Juscelino Kubitschek wurde die brasilianische Wirtschaft mit Hilfe von ausländischen Investoren Ende der 50er Jahre angekurbelt.  

Militärdiktatur 

Die krassen sozialen Unterschiede sowie die Dauerkrise einer stark vom Weltmarkt abhängigen Wirtschaft führten jedoch zunehmend zu extremer politischer Instabilität. Immer wieder griff das Militär in die Politik ein und das Land wurde von 1964-85 von wechselnden Militärdiktaturen regiert. Das Jahr 1968 stand wie in Europa im Zeichen von Studentenunruhen und Streiks. Das Militärregime reagierte mit politischen Säuberungsaktionen und Zensur. Anfang der 80er Jahre schwächte die Militärregierung die Repression deutlich ab, bis schließlich 1985, auch aus Mangel an eigenen Optionen aus dem Militärkader und bereits inmitten einer Wirtschaftskrise mit galoppierender Inflation, freie Wahlen zugelassen wurden.  

Demokratie 

Der Wahlsieger Tancredo Neves verstarb 1985 unter bis heute ungeklärten Umständen noch vor seinem Amtsantritt. Im Jahr 1988 wurde eine neue Verfassung verabschiedet, die zwar vorsah die Sozialausgaben zu erhöhen, aber weder eine Landreform noch den Schutz der Indios enthielt. 1988 wird auch der Gewerkschafter und Umweltschützer Chico Mendes ermordet. 1989 wurde ein erster Umweltschutzplan beschlossen. Am 26. April 1991 wurde Mercosur (port. Mercosul) gegründet, ein Wirtschaftsbündnis zusammen mit Uruguay, Paraguay, Argentinien und Chile. Es ist ein  Binnenmarkt mit mehr als 230 Millionen Einwohnern, der die Wirtschaft der Mitgliedsländer und dadurch die Stellung Lateinamerikas in der Welt stärken sollte.

Die Inflation lag in diesen Jahren bei bis zu 1000 %. 1994 wurde eine umfassende Währungsreform beschlossen. Durch die neue Währung („Plano Real“ eingeführt von Fernando Henrique Cardoso) endete die Hyperinflation vorerst. Von 2002 bis 2006 stieg der Real gegenüber dem Euro, welches dem Kapitalexport Brasiliens in diesem Zeitraum nicht schadete.



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