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Land und Leute





Bevölkerung 


In den letzten hundert Jahren hat sich die Bevölkerung Brasiliens praktisch verzehnfacht. In rasantem Tempo stieg sie von 17,4 Mio (1900) auf 190 Mio an. Die UNO schätzt, dass sich die heute 190 Mio. Einwohner infolge des Bevölkerungswachstums bis ins Jahr 2025 auf 250 Mio erhöht. Der größte Bevölkerungszuwachs erfolgt bekanntlich in den Unterschichten und vorzugsweise im sogenannten marginalen Milieu. Große Familien sind in einem Land wie Brasilien ein wichtiges Element der Überlebenssicherung, da Kinder und Jugendliche schon früh ein Einkommen erzielen. Dann spielt die Haltung der katholischen Kirche der Geburtenregelung eine Rolle. Ein weiterer Faktor ist die mangelnde Sexualaufklärung und nicht zuletzt die Einstellung des brasilianischen Mannes: ein richtiger Mann muss möglichst viele Kinder haben.


Gesellschaft und Kultur


Die Brasilianer selbst haben die 26 Bundesstaaten des Landes in fünf Großregionen zusammengefasst. Diese entsprechen zum Teil der naturräumlichen Gliederung Brasiliens. Deutlich sind sie auch kulturgeschichtlich zu unterscheiden. Die Erschließung, Eroberung, Besiedlung und Kultivierung dieser Grossregionen erfolgte in unterschiedlichen Zeitphasen und zu verschiedenen historischen Bedingungen. Der Nordosten und Südosten sind die historisch ältesten und bis heute bevölkerungsstärksten Regionen Brasiliens. Etwa 70% der Bevölkerung leben in diesen beiden Regionen, die nur knapp 30% des Territoriums ausmachen. Die Besiedlung des Südens, des Mittelwestens und des Nordens ist jüngeren Datums. Im Mittelwesten und Norden, zusammen knapp 2/3 der Fläche Brasiliens, leben nur 14% der Bevölkerung. 

Regionalkultur


Der Nordosten erhebt den Anspruch, die Wiege der brasilianischen Kultur zu sein. Tatsächlich handelt es sich um die historisch älteste Region, die in den Jahrhunderten nach der Entdeckung (1500) das Zentrum des portugiesischen Siedlungsprojekts in Amerika bildete. Nach einem stetigen wirtschaftlichen Niedergang seit dem 18. Jahrhundert ist die Region heute das Armenhaus Brasiliens.

Der Nordosten lässt sich vereinfacht gesagt in zwei sehr ungleiche Kulturregionen einteilen. In der fruchtbaren Küstenregion herrscht immer noch der Grossgrundbesitz vor, ein Erbe noch aus kolonialen Zeiten. Im halbtrockenen Hinterland, das von periodischen Dürreperioden heimgesucht wird, dominiert Subsistenzlandwirtschaft und -tierzucht. Beide Regionen sind ethnisch und kulturell völlig anders geprägt. An der Küste ist der Einfluss der afro-brasilianischen Kultur sehr stark, während im Hinterland die Mischung aus indianischen und portugiesischen Einflüssen eine eigene Kultur des ‚Sertanejo’ begründet hat. Aus dem Nordosten kommen bis heute wichtige Impulse für die brasilianische Kulturindustrie. Dies gilt vor allem für den musikalischen Bereich. 

Der Südosten stieg in mehreren Etappen zum wirtschaftlichen Entwicklungszentrum des Landes auf. Ein erster Anstoss wurde durch die lange ersehnten Goldfunde im heutigen Bundesstaat Minas Gerais ausgelöst, die im Laufe des 18. Jahrhunderts eine Migrationsbewegung in diese Hinterlandregion auslöste und dort einen neuen Siedlungsschwerpunkt, in der sonst ausschliesslich küstenorientierten portugiesischen Kolonie entstehen liessen. Noch heute bieten die barocken Kleinstädte der Region südlich der Landeshauptstadt Belo Horizonte viele touristische Sehenswürdigkeiten aus dieser Zeit. Den endgültigen Durchbruch brachte der schnell wachsende Kaffeeexport seit Ende des 19. Jahrhunderts. Um die Jahrhundertwende machte der Export der Kaffeebohnen 2/3 der brasilianischen Exporte aus. Der Bundesstaat São Paulo, in dem sich die Kaffeeplantagen immer weiter ins Hinterland ausweiteten, wurde bald zur Lokomotive der brasilianischen Wirtschaft. Er hat diese Rolle auch beibehalten, als sich das Schwergewicht der Entwicklung im Laufe des 20. Jahrhunderts vom agrarischen auf den industriellen Bereich verlagerte.

In Zusammenhang mit dem Kaffeeboom fand in der brasilianischen Wirtschaft auch die wichtige Umstellung von der Sklavenwirtschaft auf die Beschäftigung von freien Lohnarbeitern statt. Millionen von Einwanderern kamen in den Jahrzehnten vor und nach der Jahrhundertwende nach Brasilien, fast alle landeten im Bundesstaat São Paulo. Aus dieser Zeit hat die Landeshauptstadt São Paulo ihren kosmopolitischen Charakter geerbt, den sie bis heute beibehält. 

Der entscheidende Anlauf zur Besiedlung des Südens erfolgte im 19. Jahrhundert. Die brasilianische Regierung heuerte europäische Siedler zur Erschließung und Besetzung der noch weitgehend unerschlossenen Landstriche an. Diese Initiative, in deren Folge vor allem Polen, Schweizer, Deutsche und Italiener aus Europa nach Südbrasilien umsiedelten, hat bis heute prägenden Einfluss auf die Region hinterlassen. Viele Gebäude in den Bundesstaaten Paraná, Santa Catarina und Rio Grande do Sul sind im europäischen Stil gebaut. Die Menschen halten die Traditionen ihres Herkunftslandes zum Teil bis heute unverändert aufrecht. Zuweilen spricht man in einzelnen Dörfern sogar noch die Heimatsprache.

Die verbleibenden beiden Großregionen des Mittelwestens und des Nordens machen etwa 2/3 des brasilianischen Territoriums aus und wurden ursprünglich zum großen Teil vom Amazonas-Urwald und seinen Ausläufern bedeckt. Diese offene Westgrenze mit ihren vermuteten und tatsächlichen Reichtümern hat die kollektive Phantasie der Brasilianier immer wieder angeregt und prägt sie bis heute.

Der Versuch einer effektiven Erschliessung des Gebiets wurde jedoch erst in den 70-er Jahren unter der Militärregierung gestartet. Zunächst wurde unter dem Schlagwort ‘Land ohne Menschen für Menschen ohne Land' ein ehrgeiziges Entwicklungsprojekt angekündigt. Die Amazonasregion sollte durch Straßen erschlossen werden und entlang dieser Schneisen sollten Kleinbauern angesiedelt werden. War zunächst von 1 Million Familien die Rede, so wurden diese Planungen bald auf 100.000 heruntergeschraubt. Tatsächlich aber wurde bis zur Einstellung der Ansiedlung 1974 lediglich 6.500 Familien angesiedelt. Das Programm der wirtschaftlichen Ausbeutung und Erschließung wurde nach diesem Misserfolg auf andere Zielgruppen ausgelegt. Durch grosszügige Steuerermäßigungen für die Privatindustrie wurden Investoren für Projekte im Bergbau und in der Landwirtschaft angelockt. Staudämme sollten die nötige Energie für diese Investitionsprojekte zur Verfügung stellen.Die landwirtschaftliche oder selbst forstwirtschaftliche Nutzung des Amazonasgebiets in großen Stil hat sich darüberhinaus als Illusion erwiesen. Das Ökosystem ist im Gegensatz zur früheren Vorstellung sehr störanfällig, die Region wenig fruchtbar und weist größtenteils nur eine dünne Humusschicht auf. Der Reichtum der Region liegt vielmehr in der unglaublichen Artenvielfalt, die einige Biologen auf 90% der Spezies auf der Erde einschätzen. Das Potential dieses Schatzes wird erst langsam erschlossen und harrt noch einer kreativen und schonenden Ausnutzung.

Im Mittelwesten allerdings hat sich in der Region des ‚Cerrado’ eine extensive Agroindustrie etabliert, die inzwischen einen bedeutenden Anteil an der landwirtschaftlichen Produktion erreicht hat. Allerdings mussten bisher auch hier langfristige ökologische Gesichtspunkte hinter kurzfristigen ökonomischen Nutzenmaximierung zurücktreten.

Sprache 


Im Gegensatz zu den anderen Ländern Südamerikas, in denen Spanisch gesprochen wird, ist in Brasilien Portugiesisch die Amtssprache. Menschen, die sich im Alltag auf Portugiesisch verständigen, verstehen größtenteils auch Spanisch. Umgekehrt ist dies zumeist nicht der Fall. Einige Brasilianer fühlen sich beleidigt, wenn sie auf Spanisch angesprochen werden. Die verschiedenen Indianergruppen sprechen zudem hundert verschiedene Indiosprachen.

Im Laufe der Zeit entwickelten die Brasilianer zunehmend eigene Wendungen und Ausdrücke, nahmen immer wieder Sprachelemente verschiedener Einwanderungsgruppen auf, vor allem aber integrierten sie sowohl indianische wie afrikanische Begriffe. Natürlich hat Brasilien auch seine ureigene Umgangssprache, seinen "Slang", seine Schimpf- und Koseworte. Brasilianer und Portugiesen brauchen daher mehrere Tage um sich gegenseitig "einzuhören".

Sehr zahlreich sind allerdings die Worte afrikanischer Herkunft. So eng lebten Sklaven und Herrschaften auf den Plantagen neben- und miteinander, dass afrikanische Idiome in der portugiesischen Sprache einfach aufgingen. Auch gibt es keine ausgeprägten Dialekte, obwohl Ausdrücke und Aussprache sowohl nach Regionen wie nach sozialer Schichtung variieren. So wird das "S" in der Gegend von São Paulo als normaler S-Laut ausgesprochen, in Rio und an der Küste am Ende eines Worte aber als "sch". Das "L" wird, wenn es der letzte Buchstabe eines Worte ist, als "U" ausgesprochen: Brasil lautet also "Braziu". Bei der einfachen Landbevölkerung fällt das "L" ganz weg: Carnaval reduziert man zu "Carnavá". Solche häufigen Auslassungen hängen sicherlich auch damit zusammen, dass Analphabeten kein "Bild vom Wort" haben. Mit seinem Schulportugiesisch wird man sich daher beim Verstehen zunächst etwas schwertun.

Vergessen Sie Englisch in Brasilien. Nur die Angestellten in den grossen Stadthotels sprechen Englisch und wenige Brasilianer in São Paulo oder in Rio. Taxifahrer, Busfahrer, viele die im Tourismus arbeiten verstehen nur Portugiesisch. Auch das ist Brasilien, im Tourismusbüro am internationalen Flughafen in Salvador zum Beispiel spricht niemand Englisch!! 

SO SIND DIE BRASILIANER. EIN PAAR TIPPS, UM MIT IHNEN GUT ZURECHTZUKOMMEN:

Quelle: brasilienportal.ch

Brasilianer sind gegenüber Touristen sehr freundlich, aufgeschlossen und hilfsbereit, wo immer sie ihnen begegnen. Also zögern Sie nicht, sie um eine Auskunft zu fragen. Allerdings sollten Sie nicht erwarten, dass Sie auf der Strasse in Englisch verstanden werden - nicht einmal in Spanisch. Wenn Sie kein Portugiesisch sprechen, wenden Sie sich an eine Hotel-Auskunft!

Brasilianer hören gerne Lob und anerkennende Worte über ihr Land, ihre Stars und Sportler, ihre Familie, ihren Fussballclub u.a. - ganz besonders aus dem Mund eines Besuchers aus dem bewunderten Europa! Wenn es Ihnen gelingt, Ihre Meinung in einem Kompliment auszudrücken, machen Sie sich beliebt! 

Brasilianer sind nicht nur kinderfreundlich  - sie sind geradezu kindernärrisch, und Kindern gewährt man hier viele Vorrechte und drückt zwei Augen zu, ohne sich aufzuregen. Versuchen Sie das auch, und Sie werden sofort nicht nur die Zuneigung der Eltern gewinnen. 

Brasilianer stellen sich an Bus-Haltestellen, vor Supermarkt-Kassen, in Banken, beim Einchecken am Flughafen etc. in eine Warteschlange. Mütter mit Kindern, Schwangere, ältere und behinderte Personen haben Vortritt. 

Brasilianer sind Meister der Improvisation, weniger in der Organisation. Um nicht anzuecken, brauchen Sie also sehr viel Geduld und Verständnis! 

Brasilianer lieben es, einkaufen zu gehen. In den hiesigen Geschäften kann man sich alle Waren zeigen lassen und "hundert" Sachen anprobieren, ohne etwas zu kaufen. Das Gefühl, etwas kaufen zu müssen, weil man den Verkäufer in Anspruch genommen hat, ist Brasilianern fremd. 

Brasilianer diskutieren gern über Politik, Fussball, Frauen u.a. Am besten, Sie halten sich aus solchen Diskussionen raus! Geht das nicht, und werden Sie um Ihre Meinung gefragt, machen Sie eine positive Bemerkung. Ihre tatsächliche Meinung könnte sonst den Nationalstolz treffen - und dann haben Sie alle gegen sich! 

Brasilianer sind neugierig auf Europa. Vermeiden Sie aber, im Gespräch Vergleiche zwischen Brasilien und Europa anzustellen - es sei denn, Brasilien kommt in diesem Vergleich besser weg! Dann haben Sie einen Stein im Brett. 

Brasilianer haben es gern laut. Der Begriff "Lärmbelästigung" wird in diesem Land noch weitgehend ignoriert - sowohl von denen, die den Lärm verursachen, als auch von jenen, die davon betroffen sind. Musik dröhnt tagsüber aus beinahe jedem Geschäft, nachts aus den meisten Wohnungen, bis die Verursacher zu Bett gehen. Unter dem Motto: Wenn Sie als Nachbar nicht schlafen können, dürfen Sie gerne mitfeiern - hilft Ihnen nur Geduld! 

Brasilianer nehmen sich für alles sehr viel Zeit. Eigentlich ist diese Gelassenheit beneidenswert. Wer sich als ungeduldig offenbart, drängt und auf seine Rechte pocht, hat hier schlechte Karten - er wird in der Regel ignoriert. Dagegen kann man unmögliches erreichen, wenn man die Ruhe bewahrt und freundlich bleibt! 

Brasilianer vermeiden tunlichst, Unwissenheit einzugestehen. Deshalb, wenn Sie einen nach einer Auskunft fragen, und er Ihnen im Brustton der Überzeugung antwortet - verlassen Sie sich nicht 100% auf diese Auskunft, sondern fragen Sie zum Vergleich noch mal eine andere Person! 

Brasilianer betrachten ausländische Besucher grundsätzlich als "reiche Leute" - wie sonst könnten sie sich eine solche Urlaubsreise leisten. Machen Sie sich also darauf gefasst, dass Taxifahrer, Kellner, Botenjungen und andere Dienstleistende versuchen werden, Ihnen erhöhte Preise abzuverlangen! Sie schützen sich gegen diesen Missbrauch, indem Sie vorher den Preis erfragen - zum Beispiel in einer Strandkneipe ohne Speisekarte, bei einem Taxifahrer ohne Taxometer oder bevor Sie den Boten beauftragen! Das gilt hier nicht als peinlich sondern als gewieft - und bringt Ihnen Respekt ein. Peinlich für Sie wird es, wenn Sie erst hinterher lamentieren! 

Brasilianern ist auch unser europäischer Perfektionismus ziemlich fremd. Zum Beispiel wird es Ihnen im einen oder anderen Restaurant passieren, dass das von Ihnen ausgesuchte Menu gerade nicht vorrätig ist. Die Speisenkarte ist manchmal nicht als Verzeichnis der allzeit lieferbaren Gerichte zu verstehen, sondern eher als Übersicht des Repertoires des Kochs. Am besten, Sie fragen vorher, was Sie bestellen können! Und wenn Sie von den Nachbartischen gelegentlich gewisse Zischlaute herüberschallen hören - mit einem "PSSSSIU" rufen manche Gäste hier den Kellner! 

Brasilianer, wir sagten es schon, hören gerne Komplimente und teilen sie selbst auch gern und häufig aus. Aber machen Sie als Mann einem andern nicht unbedingt ein Kompliment über seine Frau - das kann falsch verstanden werden! Und seiner Frau allein besser auch nicht - sie wird es ihm erzählen! Wenn Sie allerdings als Frau ihm allein ein Kompliment machen wollen,  nur zu, er wird es ihr nicht erzählen! Doch hüten Sie sich, wenn sie dabei ist.